akku – Arbeitsstelle Kirche und Kultur
akku hat als Arbeitsstelle der Evangelischen Kirche in Dortmund ein sehr eigenes Modell kirchlicher Kulturarbeit entwickelt. Seit 1992 verwirklicht akku mit Hilfe vieler Partner und Förderer zahlreiche Projekte in den Breichen Tanz, Bildende Kunst, Architektur, Theater, Film etc. Mit den Buchstaben des Kürzels akku lässt sich assoziieren, was Geschichte, Ziele und Perspektiven der Arbeit näher beschreibt. Das a steht für Anfang – ein ungewöhnlicher Anfang für eine Arbeitsstelle. Es waren die Freiräume, das Kulturprogramm der Evangelischen Kirche zum Kirchentag im Ruhrgebiet 1991, die entscheidende Impulse für den Aufbau von akku gaben. Damals schon wurden wichtige Ziele und Konzepte erarbeitet, noch verschlossene Räume geöffnet und zahlreiche Kontakte und Netzwerke entwickelt, an die akku anknüpfen konnte. 
drift, les somnambules, Srt. Reinoldi Die beiden k in der Mitte des Wortes stehen für Kirche und Kultur. Wichtig ist, das Bewußtsein dafür zu vermitteln, dass Kirche schon immer Teil der Kultur ist, dass Auseinandersetzung mit der Welt, dass Verkündigung christlichen Glaubens immer in kulturellen Formen geschieht. Kirche muss sich nicht darüber klar werden ob, sondern für welche kulturellen Formen sie sich entscheidet und muss Kriterien dafür entwickeln, welchen Standort sie in den aktuellen kulturellen Entwicklungen und Diskussionen einnehmen will. Das k steht auch, wenn man so will, für weitere Begriffe, die in der Arbeit von akku wichtig sind und diese charakterisieren: Kunst – Kirchenräume – Kompetenz – Kooperation – Konzentration – Konflikte – Kontinuität. 
Im Zentrum der Arbeit von akku steht die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen. Kunst sollte nicht funktionalisiert werden, um Wahrheitsansprüche der Kirche, ihre Sinnsysteme, kirchliche Symbole und Rituale besser vermitteln und intensiver erleben zu können. Vielmehr will akku Interesse für zeitgenössische Kunst wecken und der Kunst neue Räume öffnen, die ihr bisher kaum zugänglich waren. akku will Einblicke in die Produktionsbedingungen von Kunst ermöglichen und Raum schaffen für Erfahrungen mit unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen von Kunst. In diesem Kommunikationsprozess ist akku Vermittler wie auch gleichzeitig kirchlicher Ansprechpartner für die Künstlerinnen, Künstler und Kulturinstitutionen, der als solcher natürlich auch christliche Traditionen und Themen in diese kommunikativen Prozesse einbringt.
Erfahrungen mit zeitgenössischer Kunst gerade in Kirchenräumen zu ermöglichen – noch vor zehn Jahren war dieser Gedanke relativ fremd. Kunst im Kirchenraum fordert in besonderer Weise zur Auseinandersetzung und Stellungnahme heraus, eigene Zugänge und Kriterien zu finden. Eine weitere Bedeutung liegt darin, dass Kunstprojekte im Kirchenraum Menschen erreichen, die sonst keine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst gesucht hätten. Heute sind kulturelle Formen und Projekte auch im Kirchenraum Alltag geworden, sind die Kirchen, insbesondere die Innenstadtkirchen in Dortmund wieder stärker Teil des öffentlichen Diskurses und Lebens. Die Kirchengebäude wirken nicht nur als historische sondern auch zeitgenössische Kulturorte in der Stadt. Durch die Arbeit in unterschiedlichen kirchlichen Räumen in Dortmund ist deutlich geworden, dass für unterschiedliche Orte auch unterschiedliche Konzepte entwickelt werden müssen, da jeder Ort seine eigene Geschichte und eine eigene gesellschaftliche, stadträumliche und architektonische Bedeutung hat.
S.O.A.P. dance theatre frankfurt, Rui Horta, St. Reinoldi Für die Arbeit von akku war der Anspruch der Kompetenz wichtig. Sicherlich ist die Definition von Kunst und die Antwort auf die weitergehende Frage nach ihrer Qualität sehr schwierig. Dennoch war es akku wichtig, den Anspruch auf Qualität von Kunst in die Kirche einzubringen und wach zuhalten, Künstlerinnen und Künstler und deren Arbeiten einzubeziehen, die in der Lage sind, künstlerisch und kommunikativ mit der Qualität und Eigenart der historischen Innenstadtkirchen umzugehen. Für akku war es andererseits wichtig, sich als kompetenter Gesprächspartner im kulturellen Diskurs zu erweisen: in der Entwicklung kulturpolitischer, künstlerischer Konzepte, der Auswahl von Künstlerinnen und Künstlern sowie in der Durchführung kultureller Projekte.
akku konnte diesen Anspruch natürlich nicht alleine realisieren, sondern war von Anfang an auf Kooperationen angewiesen. Bezogen auf die Stadt hat sich akku immer als Teil der lebendigen Kulturszene der Stadt und der Region verstanden. akku wollte an einer Qualifizierung der Kulturlandschaft mitwirken und nicht den ohnehin schon vielfältigen Kulturangeboten lediglich Weitere hinzufügen. Viele Kunst- und Kulturprojekte, die akku durchführte, waren vom Konzept her auf Kooperationen angelegt und lebten immer auch vom Engagement der Partnerinnen und Partner.
akku ist zu Beginn der Arbeit an unterschiedlichen Orten tätig gewesen und hat mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungsformen experimentiert. Im Laufe der Zeit wurde deutlich, dass akku – allein schon aufgrund der personellen und finanziellen Möglichkeiten – nicht an allen Orten und auf allen kulturellen Gebieten tätig sein konnte, wenn der Anspruch an eine Qualität künstlerischer Ereignisse und kultureller Konzepte gewährleistet und weiterentwickelt werden sollte. Manche Projektideen hatten sich bewährt, andere mussten fallen- gelassen werden. Als Reaktion auf diese Erkenntnis aus der Arbeitspraxis entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Konzentration der Arbeit. Einerseits in der kulturellen Inszenierung der Innenstadtkirchen mit klarem Angebotsprofil, andererseits in der Bündelung der Projekte außerhalb der Innenstadtkirchen in den sogenannten Stadtkulturprojekten bzw. Stadtteilkunstprojekten. So konnte den vereinzelten Projekten ein klareres Konzept gegeben werden und sie waren damit in der Öffentlichkeit besser zu vermitteln. 
Tanz Company Gervasi, Patara Die zehn Jahre, insbesondere die Anfänge waren natürlich auch geprägt durch Konflikte Oft wird – und das nicht nur im Rahmen der Kirche – nach eindeutigen Zeichen zur Lebensdeutung gesucht, die sich schnell und leicht entschlüsseln lassen. In der zeitgenössischen Kunst finden sich meist keine Zeichen, die sich nach bestimmten Regeln entschlüsseln lassen, um eindeutige Botschaften des Kunstwerkes, eindeutige Antworten auf individuelle und gesellschaftliche Fragen zu erhalten. Bei der Auseinandersetzung mit Kunst als ästhetischer Erfahrung handelt es sich um offene Prozesse der Aneignung, des eigenen Handelns und der Kommunikation. Dies steht im Widerspruch zu der Erwartung von Menschen, für die Religion und Kirche klare Orientierungen und verbindliche Antworten geben sollen und die nicht verstehen, warum man eine Kirche zu einem Tanz-Raum umbaut, warum in Kirchen Ausstellungen eingebracht werden, die auf den ersten Blick keinen Bezug zu christlichen Symbolen bzw. zur Verkündigung christlichen Glaubens haben. Im Laufe der Jahre ist allerdings das Verständnis gewachsen, dass es auch in der Kirche unterschiedliche kulturelle und künstlerische Formen geben muss, sich mit der Welt und der Gegenwart auseinander zu setzen.
All diese Entwicklungen wurden durch Kontinuität ermöglicht. Es war unbedingt wichtig, Kunstprojekte im Kirchenraum durchzuführen und es war notwendig, eine Kontinuität in den Konzepten und Projekten zu gewährleisten, Gesprächen Zeit und Raum zu geben. So konnten Vorurteile abgebaut werden, Besucherinnen und Besucher der Veranstaltungen konnten ein Vertrauen in die Qualität der kulturellen und künstlerischen Ereignisse entwickeln.
Das u steht für Utopie. Der Antrieb für die Energie von akku war immer wieder die Utopie, dass der Dialog zwischen den einander fremden und entfremdeten Bereichen Kunst und Kirche fruchtbar sein kann, dass in der Begegnung zwischen traditionellen Kirchgängern, Kunstschaffenden und Suchenden neue Fragenhorizonte, Erkenntnisse und Erfahrungen, vielleicht sogar neue Glaubensaussagen und Glaubenserfahrungen möglich werden. Für die Arbeit an dieser Utopie wird akku auch in Zukunft seine Energien einsetzen.
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